Am Anfang war das Wort – Fallstricke, Tipps und Tricks für die Keywordrecherche

Bei vielen Webseiten fällt sofort eines auf: Während dem Unternehmen oder der Person, die dahinter steckt, offenbar sonnenklar ist, worum es auf der Seite geht, erschließt sich das Thema dem geneigten Betrachter nicht unbedingt und auf den ersten Blick. Und hat schon der menschliche Besucher Schwierigkeiten herauszufinden, welche besondere und einmalige Leistung die Seite bietet, dann kann man sich leicht vorstellen, dass eine Maschine sich dabei noch schwerer tut. Anders als das menschliche Auge, das wenigstens aus den Bildern einer Seite noch erahnen kann, was die Seite in sprechende Worte zu fassen versäumte, steht die Suchmaschine blind vor der Seite und sieht: nichts.

Darum ist das erste Gebot der Suchmaschinenoptimierung
Am Anfang war das Wort! Wähle es weise und mit Bedacht!
Nur mit guten, passenden und nachgefragten Schlagworten verstehen Nutzer und Suchmaschinen gleichermaßen, welch phantastische Angebote und Leistungen man anzubieten hat. Wer gefunden werden möchte und nicht erst auf Seite dreitausendfünfundvierzig bei Google ein kümmerliches Dasein fristen will, der sollte sich – bevor er sich um alle anderen technischen und grafischen Raffinessen seiner Webseite kümmert – der Suche nach dem perfekten Wort widmen.

Das perfekte Wort – was ist das? Und wo und wie finde ich es?
Nun, zuallererst sollte man sich nicht scheuen, im Kramladen des eigenen Gehirns ein wenig zu stöbern. Die dort aufgescheuchten Fundstücke kann man dann in nützliche und hilfreiche Tools eingeben und die Kette der Assoziationen weiterspinnen. Hierfür eignen sich:

Das Keywordtool von Google (es bietet auch Synonyme und verwandte Begriffe an)

Semantische Suchmaschinen wie Metager und Semager

Thesauri und Synonymwörterbücher wie Woxikon:

Hat man die Schar an Wörtern, die das semantische Feld bestreiten, dann auf eine erkleckliche Anzahl gebracht, muss man die einzelnen Kandidaten einer genaueren Musterung unterziehen.

Die Musterung – wie prüft man ein Wort auf Herz und Nieren?
Beschreibt ein Begriff auch das Produkt oder Portfolio der Webseite in ihrem Kern?
Wird es stark nachgefragt?
Ist es nicht zu allgemein – aber auch nicht zu spezifisch? Sonst sucht es meist keiner
Ist es idiomatisches Fachchinesisch?
Oder stark umkämpft im Wettbewerb?
Dies sind nur einige der Grundbedingungen, die man beachten sollte, bis sich nach langer Recherche langsam ein kleines Grüppchen munterer Wörter herauskristallisiert hat. Diese können dann ins Rennen gehen, um in den Suchmaschinen ein gutes Ranking zu erzielen und möglichst viele, aber auch passende Besucher auf seine Seite zu locken. Die Besucher wiederum sollen dort wiederfinden, was das Wort verspricht und nicht enttäuscht der Seite gleich wieder den Rücken kehren.
Vor lauter Freude über ein gutes Wort ist auch hier Vorsicht die Mutter der Porzellankiste – denn damit sich die keimende Hoffnung nicht als Fata Morgana erweist, gilt es, auch die vermeintlich vielversprechenden Kandidaten nochmal einer speziellen Reifeprüfung zu unterwerfen.

Die Reifeprüfung – hält Ihr Wort Wind und Wetter stand?
Mit dieser einfachen Checkliste sollte ihr Wort gewappnet sein für den täglichen Kampf um ein gutes Ranking und nicht im Feld der Mitstreiter auf der Strecke bleiben:

1. False Friends
Ihr Wort hat ein erstaunlich hohes Suchvolumen – aber sind Sie sicher, dass überhaupt Ihr Wort gemeint ist, wenn Leute danach suchen? Ein Beispiel aus der Praxis: Ein international tätiges Unternehmen, das sich mit Zukunft des Städtebaus, nachhaltiger Planung und Infrastruktur beschäftigte, war freudig erregt, als Begriffe wie „cidade verde“ und „mega city“ ein unerhört hohes Suchvolumen aufwiesen und viel Traffic für die neuen Seiten versprachen. Nach einem zweiten Blick auf diese Begriffe stellte sich jedoch heraus, dass „Cicade Verde“ ein brasilianischer TV-Sender war und „Mega City“ ein beliebtes Computerspiel. Die Leute, die nach diesen Begriffen suchen, sind damit nicht die anvisierte Zielgruppe.

2. Andere Länder….
Sie suchen noch nach einem schönen, klangvollen Namen für Ihr Produkt – doch Vorsicht! Sollten Sie international tätig sein, dann achten Sie darauf, dass manch schöner Name in anderen Sprachen eine gänzlich andere Bedeutung hat…berühmt-berüchtigt sind hier diverse Automarken, die sich mit Modellen wie dem Audi „E-tron“ keine guten Aussichten für den Absatz auf dem französischen Markt verschafft haben dürften: Denn „ètron“ bedeutet im Französischen „Kothaufen“ . Manch klingender Fantasiename ist in einer anderen Sprache ein ganz konkretes Wort (weitere verunglückte Beispiele hierfür sind der Toyota Opa und iMiev und der Kia – die gängige Abkürzung für Killed in Action)

3. Die Konkurrenz schläft nicht
Die Konkurrenz außerhalb des eigenen Unternehmens schläft bekanntlich nicht – während die üblichen Verdächtigen im Offline-Bereich meist alte Bekannte sind, stellt sich die Angelegenheit im Internet oft ganz anders dar. In den meisten Fällen lauert die Konkurrenz in der omnipräsenten Wikipedia, die zu schier jedem Begriff Platz 1 der Suchmaschinen zu belegen scheint. Doch auch andere Wettbewerber lauern in den Tiefen des Netzes. Während man als großes B2B-Unternehmen mit einer Innovation vielleicht tatsächlich eine Vorreiterrolle auf dem Markt einnimmt, droht plötzlich unerwartete Konkurrenz aus dem B2C-Sektor: Als state-of-the-art-Hersteller energieeffizienter Atomkraftwerke oder modernster Computer-Chips darf man sich auf knallharten Kampf um die vorderen Plätze mit stromsparenden Waschmaschinen und salzigem Knabbergebäck einstellen.

4. Kannibalisierung
Gerade bei großen, internationalen Konzernen gibt es noch andere, verhängnisvolle Fallstricke. Global Player haben nicht immer eine ganzheitliche und zentrale Marketingstrategie. Oft sprießen Unternehmenswebseiten aus dem Boden, deren einzige Gemeinsamkeit die Firmen-CI ist. Auf diesem Minenfeld muss man sich maßvollen Schrittes bewegen, das Wildern in den eigenen Jagdgründen ist natürlich verboten. So währt die Freude über ein frisch gefundenes, aussichtsreiches Wort oft nur kurz, wenn man feststellen muss, dass der Begriff bereits an eine andere Seite aus dem Familienverbund vergeben ist. Um Kannibalisierung unter Verwandten zu vermeiden und einer anderen Seite das Wasser abzugraben, sind bereits verwendete Begriffe natürlich tabu – gerade, wenn hier bereits Seiten ein gutes Ranking verzeichnen.

5. Ohne Punkt und Komma – Normalisierung
Oft entdeckt man bei der Recherche, dass ein schon fast legasthenisch wirkender Suchbegriff wesentlich häufiger gesucht wird als die grammatikalisch und orthografisch korrekte Variante. Da man natürlich keine fehlerhaften Begriffe auf seiner Seite verwenden möchte, ist hier etwas Fantasie gefragt. Ein Beispiel: Ein namhafter Hersteller von Brustimplantaten für Krebspatienten stellt fest, dass der Begriff „women health“ ungefähr doppelt so stark nachgefragt wird wie das korrekte „women`s health“. Ärgerlich. Aber es gibt einen Trick. Hierzu muss man wissen, dass die Suchmaschine bei Ihrem Besuch der Seite Sonderzeichen normalisiert. Möchte man nun also nicht auf das wesentlich prominentere Wort verzichten, genügt es, ein wenig am Satzbau zu schrauben: „The company takes great interest in the wellbeing and happiness of women. Health of the body and the mind is therefore one of the most important issues in the company`s portfolio.“ Der Suchmaschinen-Bot entfernt bei seiner Lektüre den Punkt zwischen den beiden Sätzen und Wunder der Technik: entdeckt den Begriff „women health“ – ohne, dass der menschliche Leser in seinem Lesefluss durch das fehlende Genetiv-S gestört würde.

6. In der Kürze liegt die Würze – aber im Longtail liegt der Hund begraben
Ihr Wort scheint perfekt und hat bisher Feuer- und Wasserprobe Stand gehalten – es passt, es wird stark nachgefragt, es ist klangvoll und anmutig – aber leider sind Sie nicht der erste, der dieses wunderbare Wort für sich entdeckt hat. Nun müssen Sie nicht gleich alle Hoffnung fahren lassen. Auch auf Mallorca gibt es bekanntlich noch schöne, einsame Flecken. Kombinieren Sie Ihr Wort einfach mit einem anderen Begriff und machen Sie aus dem Ballermann eine bezaubernde Finca im Hinterland von Mallorca. Die Kunst liegt hier darin, die Nische zu finden, in der Sie sich einnisten können. Dann kann es passieren, dass Sie trotz einer sperrig klingenden Kombination mehrerer Begriffe auch für die einzelnen Wörter ein gutes Ranking verzeichnen – denn speziell Google liebt die Regionalisierung und semantische Vernetzung. Eine Reiseseite, die auf den Begriff „traumhafte Finca im Hinterland von Mallorca“ optimiert ist, hat gute Chancen, sowohl für den Begriff „Finca“ als auch „Mallorca“ ein Ranking zu entwickeln.

Mit diesen sechs kleinen Exkursionen bei der Suche nach dem passenden Wort sind zwar noch nicht alle sieben Weltmeere der Keywordrecherche befahren – aber mit diesem Blog dürfte doch klar geworden sein, dass man viel Zeit für die Recherche verwenden kann. Und auch sollte, wenn man sich gegen die Myriaden anderer Seiten durchsetzen möchte.

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