(Update) Google Schuld an UAL-Kurssturz?

Rund 76 Prozent ihres Werts verloren die UAL-Wertpapiere am Montag, bis das Problem bemerkt und der Handel ausgesetzt wurde. Nach einem Dementi des Luftfahrtunternehmens wurde der Handel fortgeführt, die Aktie schloss trotzdem 11 Prozent niedriger als am Vortag.

Quelle war ein Artikel der Chicago Tribune aus dem Jahr 2002, der auf der Website einer ebenfalls zum Tribune-Verlag gehörenden Zeitung in Florida erschien und seitdem dort im News-Archiv zu finden ist. Durch einen Link auf den archivierten Text klickten mehrere User auf den Artikel, so dass er prominent auf der Startseite unter der Rubrik “Most Viewed” zu finden war. Und dort wurde er auch vom Google-Bot gefunden. Wer am vergangenen Wochenende nach “United Airlines” bei Google suchte, bekam die Meldung in den Google-Ergebnislisten präsentiert – mit dem aktuellen Datum. Besonders fatal: Zurzeit fragen viele User in den USA aufgrund der Stürme in der gegenwärtigen Hurrican-Saison nach Flugabsagen im Netz. Vor allem diese vielen Anfragen bezüglich Florida, wo am Wochenende Stürme herrschten, werden die Google SERPs stark beeinflusst haben.

Zu dem technischen Malheur kam natürlich auch allzu Menschliches – entweder Dummheit oder Bosheit: Ein Börsenanalyst einer Beratungsfirma, so die Chicago Tribune, verwies auf die veraltete Meldung und half so mit, sie auf Terminals der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg. Binnen weniger Minuten verbrannten so 76 Prozent des Aktienwerts, bevor die Börse reagierte und den Handel bis zur Klärung aussetzte.

Mal ganz ehrlich: Da tun sich nicht nur Untiefen auf, sondern eine ganz neue Art, SEO zu betreiben – Financial SEO nach dem Motto “Schieß den Konkurrenten ab!” Immerhin wird ein großer Prozentsatz aller Umsätze an der New Yorker Börse über automatisierten Handel erzielt…

Update: Ausgestanden ist das noch nicht: Da mal eben auf die Schnelle 75 Prozent des (Aktien)Wertes einer der größten Fluglinien der USA, United Airlines, vernichtet wurde, beginnt die Suche nach dem Sündenbock. Natürlich versucht die Chicago Tribune, auf deren Boden diese Nachricht spross, den Schwarzen Peter an Google weiterzugeben. Man könnte versucht sein, das Ganze als Verkettung unglücklicher Umstände (wie das Wall Street Journal ) abzutun, wenn nicht die derzeitige negative Stimmung dem Suchmaschinenbetreiber gegenüber (und vor allem seinen kommenden Deal mit Yahoo und das zeitgleich richtungsweisende, anhängige Verfahren) auch einen durchaus anderen Blickwinkel erlauben könnte. Abseits der Paranoia lässt sich wohl feststellen, dass Datierungen von Meldungen einfach künftig zum journalistischen Handwerk zählen.

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