Vier gute Gründe, warum sich Performance-Tuning lohnt

In unserer täglichen Arbeit stellen wir im Zusammenhang mit Analysen von Websites immer wieder fest, dass im Bereich der Website-Performance viel Potenzial im Bereich Auslieferungsgeschwindigkeit, Ladezeit und kosteneffizientem Einsatz der Serverressourcen brach liegt.

Dabei stellt gerade die technische Performance einer Website eine wesentliche Basis für ihren Erfolg im Internet und in den Online-Märkten dar.

Dieser Blog stellt vier wichtige Gründe für kontinuierliches Performance-Tuning und -Monitoring von Internetauftritten vor, die von Websitebetreibern immer wieder unterschätzt werden.

Technische Performance als Grundlage für den Erfolg der Website

Bevor wir die Gründe näher erläutern: Was heißt eigentlich „Performance einer Website“?

Dies ist ein Sammelbegriff für unterschiedlichste technische Ebenen, die in der Summe großen Einfluss auf folgende drei technische Performance-Faktoren haben:

  1. Die Antwortzeit eines Server auf einen Browser- und Robot-Zugriff (Verbindungsaufbau und Reaktionsgeschwindigkeit zum/des Senders)
  2. Die Auslieferungsgeschwindigkeit des Servers und Content-Management-Systems von Internetseiten an den Browser (Übertragungszeit und übertragenes Datenvolumen)
  3. Die Lade- und Rendering-/Kompilierungszeit des ausgelieferten Codes im Browser beim Empfänger (Client)

Alle drei Faktoren greifen ineinander und prägen in  der Summe beim Besucher der Website den Eindruck, wie „schnell“ eine Website ist und wie leicht sich darin „umblättern“ lässt. Aber nicht nur die „echten“ menschlichen Besucher interessiert dies: auch die Suchmaschinenroboter messen u.a. die Antwortzeit des Servers (TTFB=Time-to-First-Byte) und erkennen daran, wie performant und benutzerfreundlich eine Website ist. Die beiden Faktoren werden dabei häufig als „Backend“-Performance und als „Frontend“-Performance unterschieden. Besser ist die Unterscheidung in serverseitige und clientseitige Performancefaktoren, da es sich im Internet immer um ein Zusammenspiel von Server und Client handelt. Dabei gibt es mehrere Dutzend Einzelfaktoren, die sich hinter den oben genannten drei Hauptbereichen verbergen.

Welche Faktoren spielen bei der Website-Performance besonders wichtige Rollen?

Die Antwortzeit des Servers hängt u.a. von der Anbindung an das Internet und dem Serverstandort zusammen. Auch die Auslastung des Server spielt hier eine Rolle: Arbeitet er gerade am Limit, müssen Besucheranfragen warten.

Die Auslieferungsgeschwindigkeit wird ebenfalls von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Hier stellen sich Fragen wie z.B.:

  • wie viel Code, Bits & Bytes müssen je Seitenanforderung übertragen werden?
  • wie viel Datenbankabfragen sind nötig, um die Seite dynamisch erstellen und ausliefern zu können?
  • werden häufige und typische Seitenanforderungen für eine schnellere Auslieferung auf dem Server zwischengespeichert und für den zügigen Abruf vorgehalten (serverseitiges Caching)?

Und schließlich stellt der übertragene Code der Seite selbst eine Herausforderung für die Browser dar. Enthält eine Seite beispielsweise sehr viel JavaScript-Code (bei modernen Webseiten, die AJAX-Technologie einsetzen, keine Seltenheit), so muss der Browser und die CPU des Empfänger-PCs (Clients) viel Rechenleistung erbringen, was in vielen Fällen die Lade- und Darstellungszeit einer Seite im Browser erheblich bremst. Aber auch sehr viele Gestaltungselemente (Stylesheets) und aufwändig programmierter und verschachtelter Quellcode wirken sich in der Regel negativ auf die Performance der Seite im Browser aus.

Schlechte Performance: Conversionrate runter, Absprungrate rauf!

Eine Studie von Strangeloop aus dem Jahr 2010 zeigte, wie drastisch die Conversionrate auf einer Landingpage im Zusammenhang mit der Ladezeit sinkt:

Ähnlich sieht es im umgekehrten Sinne mit der Absprungrate aus. Anhand der oben beispielhaft angeführten Faktoren lässt sich erahnen, dass es um ein komplexes Thema geht, in das eine Fülle von unterschiedlichsten technischen Faktoren hineinspielt und das an Websitebetreiber eine große Herausforderung stellt. Dies gilt übrigens in gleichem Maße für sowohl auf Desktops ausgerichtete als auch mobile Webseiten.

In unseren Audits, Analysen und Maßnahmenkatalogen hat deshalb der technische Bereich einen hohen Stellenwert, sind doch die Performance-Faktoren besonders für die Suchmaschinenoptimierung (SEO), das Suchmaschinen-Advertising (SEA), die Usability und die Reputation einer Website relevant.

Vier gute Gründe fürs Performance-Tuning

Bei der Umsetzung vorgeschlagener technischer Maßnahmen zur Optimierung der Website-Performance wird jedoch oft der Nutzen einzelner Vorschläge hinterfragt.

Die unserer Erfahrung nach vier wichtigsten Gründe, diese Maßnahmenvorschläge für das Performance-Tuning trotz eines gewissen Aufwands und Kostenfaktors umzusetzen sind im Wesentlichen:

  1. Ein effizienterer und kostensparenderer Umgang mit den Websiteressourcen, vor allem der serverseitigen Kapazitäten (Bandbreite, Arbeitsspeicher- und Festplattenauslastung etc.)
  2. Ein positiver Eindruck bei den Besuchern führt zu mehr Beliebtheit und Besucherfrequenz (höhere Wiederkehrrate und Kundenbindung)
  3. Positive Auswirkung auf die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit der Seiten in den Suchmaschinen über ein besseres Ranking
  4. Positive Auswirkung auf die Kosten von Werbung innerhalb von Suchmaschinen über einen besseren Quality Factor der Landingpages

Auch wenn heutzutage von den meisten Providern großzügige, teilweise sogar unbegrenzte Bandbreiten für die Datenübertragung zur Verfügung gestellt werden: Reduzierung von zu übertragendem Code und intelligente Zwischenspeichermechanismen (Caching) können erheblich zur Kostensenkung oder – umgekehrt betrachtet – zur effizienteren Ausnutzung vorhandener Serverkapazitäten führen. Ein Standardbesuch einer Website lädt ungefähr 5 MB an Daten vom Server. Wenn durch diverse Tuningmaßnahmen diese Datenmenge auf die Hälfte reduziert wird, können theoretisch doppelt so viele Besucher gleichzeitig vom Server bedient werden – bei gleicher Kapazität und Kostenlage. Online-Marketing-Maßnahmen wie beispielweise die Suchmaschinenoptimierung zielen ja gerade darauf ab, durch bessere Auffindbarkeit in den Suchmaschinen mehr Besucher zur Website zu vermitteln. Wenn die Kapazitäten der Website so besser ausgeschöpft werden, dass mehr Besucher bedient werden können, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass mehr gewünschte Interaktionen ausgeführt werden (Feedbacks, Kontaktanfragen, Bestellungen).

Gerade bei sehr großen und internationalen Websites kann dies erheblich zu Buche schlagen, wie diese Grafik von Strangeloopnetworks an einigen Beispielen veranschaulicht:

Für die Größen des Internets ist Websiteperformance unverzichtbar für Umsatzsteigerungen - und damit Bilanzfaktor!

Amazon, Yahoo!, AOL etc. machen ihre Umsatzsteigerungen an der Websiteperformance fest. Quelle: http://www.strangeloopnetworks.com/assets/images/infographic2.jpg

Der positive Effekt von schnelleren Webseiten auf Besucher ist selbsterklärend und gerade auch im mobilen Bereich enorm für den Erfolg und die Usability der mobilen Site wichtig. Mehr dazu: http://www.strangeloopnetworks.com/assets/images/visualizing_web_performance_poster.jpg

Das haben auch schon längst die Suchanbieter erkannt. So hat Google bereits 2010 die Websiteperformance im Rankingalgorithmus als wichtigen neuen Rankingfaktor eingeführt (http://googlewebmastercentral.blogspot.de/2010/04/using-site-speed-in-web-search-ranking.html und http://www.mattcutts.com/blog/site-speed/) und empfiehlt, dass Websites möglichst deutlich unter 3 Sekunden laden sollten. Mit diversen Tools (Webmastertools, Page-Speed-Tools, GoMobile etc.) unterstützen Website Betreiber bei entsprechenden Performance-Messungen und dem Tuning. Und schließlich fließen diese Kriterien auch in den so genannten Quality Factor (http://adwords.blogspot.de/2008/06/landing-page-load-time-now-affects.html) von Googles Suchmaschinenwerbung mit ein, wie im Jahre 2008 bekannt wurde. Je besser der QF, desto günstiger ist in der Regel die Werbung bei Google einzukaufen. Klar: die Wahrscheinlichkeit, dass Besucher immer wieder auf entsprechende AdWords-Werbung klicken ist größer, wenn die jeweilige Zielseite nicht nur inhaltlich, sondern auch von der Performance her die Erwartungen des Suchenden erfüllt. Im Juni 2013 hat zu allem Google offiziell erklärt, dass mobile Seiten bei zu langen Ladezeiten mit schlechteren Rankings bestraft werden, dass also schlechte Ladeperformance einen Google-Penalty nach sich zieht: http://googlewebmastercentral.blogspot.de/2013/06/changes-in-rankings-of-smartphone_11.html

Google analysiert sehr genau die Websiteperformance. Im Mittelpunkt steht die Ladezeit einer Seite.

Google stellte im Bereich „Labs“ in den Webmastertools bis vor kurzem Ladezeitenstatistiken für die eigene Website zur Verfügung. Interessant: alles was langsamer als 1,5 Sekunden lädt wird in der Grafik als „langsam“ rot eingefärbt. Ein deutlicher Hinweis auf Googles Vorstellung von schnellen Webseiten.

Es ist dabei natürlich nicht immer eindeutig feststellbar und prognostizierbar, wie groß der Einfluss der Tuningmaßnahmen auf das Ranking und den so genannten „Quality Factor“ ist. Im Sinne einer ganzheitlichen Optimierung aller Facetten einer Website, darf aber der Performancebereich unserer Erfahrung nach keines Falls vernachlässigt werden. Unabhängige Studien beispielweise von Moz (http://moz.com/blog/how-website-speed-actually-impacts-search-ranking) konnten zudem auch statistisch einen deutlichen Zusammenhang von Performancewerten und dem Ranking beispielsweise im Bereich der serverseitigen Performance nachweisen. Die Grenze des Tunings ist nach unten hin offen. Warum nicht nur noch 1 Sekunde? Es gilt eben: je schneller desto besser. Natürlich darf bei entsprechenden Tuningmaßnahmen die Stabilität des Systems nicht leiden. Und natürlich müssen auch für teilweise gegensätzliche Anforderungen Kompromisse gefunden werden:  gerade anspruchsvolle und aufwändige Designs gehen oft zu Lasten der Performance.

Muss man deshalb auf Performance-Tuning verzichten?

Nein: denn viele Tuningmaßnahmen finden ohnehin tief „unter der Haube“ statt und beeinflussen die Optik der Seite überhaupt nicht. Klassische Beispiele hierfür sind: die Eliminierung von überflüssigen HTML-Kommentaren und Whitespaces im Quellcode kann 5-10% an Bytes sparen. Auch die Bündelung und Auslagerung von JavaScript- und Stylesheet-Codes in Dateien und gleichzeitige Aktivierung von Caching kann die Ladezeit erheblich beschleunigen. Gerade hier stellen wir immer wieder fest, dass auf jeder Seite großzügig sämtliche Bibliotheken geladen werden (oft mehrere 100 Kilobytes) ohne dass auch nur eine einzige Funktion davon in der jeweiligen Seite benötigt wird.

Websitebetreiber, Administratoren und Webentwickler sollten deshalb die zur Verfügung stehenden Performance-Test-Tools sowohl bei der Entwicklung neuer Seiten wie auch zum Monitoring im laufenden Betrieb nutzen, um Schwachstellen im Performance-Bereich aufzuspüren und sie zu eliminieren.

Gerade bei immer weiter voranschreitenden Technologien, größerem Wettbewerb und gesteigerten Erwartungshaltungen wird dieser spezielle Bereich der Website-Optimierung noch weiter in den Fokus rücken als bisher, und dies sowohl im Desktop- wie auch im mobile Bereich.

 

 

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