Kampf der Giganten

Wahreheit im Web: Vom knols, answers und wikis.

Wie Google und Microsoft ihre Rollen im Web 2.0 verteilen – und wer am Schluss noch steht

Die entscheidende Auseinandersetzung beginnt – und zwar zwischen Kontrahenten, die sich im Web 2.0 erst vor kurzem aufgestellt haben.

Die letzten Wochen waren turbulent: Kurz nachdem Microsoft seine Allianz mit Facebook verkündet, gibt Google die Kooperation mit dem Murdochschen MySpace bekannt. Es geht um die Vorherrschaft im Web 2.0 und erste Tendenzen weisen bereits auf den Sieger hin.

Die Konstellation

Die strategische Allianz zwischen Facebook und Microsoft erweitert sich: Gates Konzern ist Werbeplattform-Partner für Facebook und betreut außerdem zusätzlich deren internationale Werbung.

Google hingegen hat ein neues Wunderkind getauft: Die Software Open Social ist die Frucht des Zusammenwirkens von Suchmaschine und Social Community. Das Framework besteht aus drei APIs, die zunächst einen ersten großen Schritt zur Verbindung aller beteiligten Social Networks untereinander darstellt. Google konzentriert sich dabei auf die Kernfunktionen des Netzwerk-Prinzips, der Zugriff erfolgt auf folgende Angaben: Profildaten, die Beziehungen zu anderen Usern und Aktivitäten von Nutzern in Form von News-Feeds. Plattformspezifische Funktionen sollen über die Applikationen der einzelnen Individualnetzwerke bedient werden.

Open Social ermöglicht den Austausch von Daten über verschiedene Vernetzungs-Plattformen hinweg, und zwar sowohl den Anbietern als auch dem User – genauer gesagt bedeutet es den Zugriff auf Informationen bei all denjenigen Anbietern, die sich für diese Technik entschieden haben und damit die Interoperabilität zwischen unterschiedlichen, bislang geschlossenen Netzwerken ermöglichen. So erfährt der User die Möglichkeit, mehrere Social Netzwerke zeitgleich zu nutzen und ein komplex verknüpftes Profil zu erschaffen.

Die Konsequenzen

Das hat Folgen und besonders auch Vorteile für die Online-Werbung: Kontextsensitive Werbung gewinnt durch Open Social an Nährboden, da sie schließlich Zugriff auf differenzierte Profile hat. Der Nutzer im Web 2.0 gewinnt konkret an aussagekräftigem Profil und wird deshalb zu einem Adressanten, der leichter zu finden und zu erfassen ist. Ein Traum für die Ziele des Micro-Targeting wird wahr.

Diese Entwicklung ruft aber auch Datenschützer auf den Plan. Vom durchsichtigen Nutzer ist die Rede, von unkontrolliertem Datenzugriff. Die vermeintliche Sicherheit der bisherigen Datensilos einzelner Plattformen gehört damit der Vergangenheit an. Die eindeutige Trennung von Lebensbereich und entsprechendem Netzwerk ist nicht mehr möglich – und damit auch die Trennung obsolet.

Von Sara Tolnay-Knefely