Web 2.0 – oder Österreich und die Lakritze

„Warum mögen die meisten Österreicher keine Lakritze?“ Diese Frage stellten sich ein lakritzeliebender deutscher und ein lakritzeablehnender österreichischer Kollege. Um eine Antwort zu finden, suchten sie eines der zahlreichen Internetforen auf, stellten die Frage zur Diskussion und warteten auf Antwort. Die erste erhielten sie bereits nach wenigen Minuten.

Das Internet ist interaktiv. Foren wie das für diese Frage genutzte Yahoo Clever sind zu einem wichtigen Zentrum für gedanklichen Austausch geworden. Das Motto lautet: „Teilen Sie Wissen, Helfen Sie Anderen, Lernen Sie Neues“. Der Bedarf ist offensichtlich groß, denn es hat sich eine richtiggehende Diskussionskultur entwickelt. Ebenso die Geschenke-Community edelight , die einerseits Inspiration für Geschenkideen ist, andererseits aber fürs Mitmachen auch durch eine kleine Provision belohnt.

Social Software als Massenphänomen

Web 2.0 heißt das Schlagwort, das zur Zeit in aller Munde ist und als Umschreibung für eine große Anzahl von Trends im Internet steht. Doch Web 2.0 existiert nicht wirklich, sondern beschreibt nur das Zusammenwirken verschiedener Technologien und Entwicklungen. Was wirklich existiert ist die Technologie, die so genannte Social Software. Sie dient nicht nur der Präsentation, sondern ist die Basis für den aktiven Informationsaustausch zwischen Internetnutzern. Jeder kennt den wohl bekanntesten Vertreter der sozialen Software – die E-mail. Da zur Nutzung keine speziellen Zugangsprogramme nötig sind, ist auch technisch nicht sonderlich versierten Menschen der Zugang in das Web 2.0 Reich möglich. Dies ist die Basis der neu entstehenden Informations- und Beziehungsnetzwerke.

Erfolgreiche Kategorien des Mitmach-Internets

Auf Grund der relativ leichten Bedienbarkeit der Software steigt die Anzahl der Web 2.0 Projekte stetig. Einige, wie zum Beispiel die Networking Plattform myspace, haben mittlerweile Mitgliederzahlen in dreistelliger Millionenhöhe. In Deutschland sehr populär ist auch die berufliche Vernetzung über die Community Xing. 1,5 Millionen Menschen nutzen diese Plattform um vor allem beruflich ihr Kontaktnetz zu erweitern. Ebenfalls sehr beliebt sind Services wie der 2006 von Google übernommene Videoanbieter YouTube.com oder das Online-Fotoalbum flickr.com. Denn bekanntlich ist nichts schöner als Fotos und Videos mit anderen zu teilen. Auch die Suchmaschinen werden sozial. In Portalen wie dem vor einem Jahr gestarteten Mr. Wong kann jeder seine persönlichen Lieblingslinks in einer Liste der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Die Links, die von vielen Usern als Favoriten gespeichert werden, bekommen eine gute Bewertung. Dass Nutzer den von Menschen erstellten Beurteilungen mehr vertrauen als den maschinell erstellten, ist Beleg für den Erfolg der sozialen Suchmaschine. Noch populärer als Online-Communities sind Nachschlagewerke wie Wikipedia. Diese Enzyklopädien werden nicht von festen Redakteuren, sondern von freiwilligen Autoren verfasst. Da sie sehr schnell ergänzt werden können, haben die kollaborativ erstellten Inhalte den Vorteil der höheren Aktualität. Zudem verfügen sie über Dynamik und Authentizität. Auch Bewertungsportale weisen eine hohe Authentizität und Nutzungsintensität auf. Deutlich wird dies im Bereich der Hotelbewertungen. Die in Foren abgegebenen Meinungen sind für viele glaubwürdiger als Hotelsterne und spielen eine beträchtliche Rolle bei der Urlaubsentscheidung. Bewertungsportale erhöhen die Transparenz hinsichtlich Produkt- und Servicequalität kommerzieller Angebote.

Die Nutzung von Web 2.0 in den Unternehmen

Web 2.0 Einrichtungen werden bisher vor allem von Endkonsumenten genutzt. Nur langsam rücken die Nutzungsmöglichkeiten für Unternehmen in den Vordergrund. Doch vor allem in der Werbung wird Web 2.0 eine immer wichtigere Rolle spielen, denn das Social Web kann den Dialog zwischen Unternehmen und Konsumenten wesentlich erleichtern. Zum Beispiel durch Blogs. Immer mehr Firmen führen ein „Internettagebuch“ und schaffen so eine neue Art der Kundenbindung. Auch beginnen Unternehmen externe soziale Netzwerke wie die virtuelle Welt Second Life für PR- Zwecke zu entdecken. Doch die Nutzung der Social Software durch Unternehmen steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Die meisten Angebote kommen bisher aus den USA und sind auch auf den dortigen Markt zugeschnitten. Bleibt abzuwarten, ob und wann auch hier die Zeichen der Zeit erkannt werden. Auf die, im Verhältnis dazu relativ banale, Frage warum Österreicher keine Lakritze mögen, kamen viele interessante Antworten. Eine definitive Erklärung gab es zwar nicht, aber die Erfahrung war spannend und unterhaltsam. Wieso sagt man zu Wackelpeter eigentlich auch Götterspeise?